Das deutsche Steuersystem verstehen: Ein Einstieg
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Dieser Artikel gibt Ihnen einen klaren Überblick über die wichtigsten Steuerarten in Deutschland, wie der progressive Steuertarif funktioniert, und welche Zusammenhänge Sie verstehen müssen.
Wie Steuern in Deutschland funktionieren, welche Steuerarten es gibt und warum jeder die Grundlagen kennen sollte.
## Warum Steuerverständnis bares Geld spart In Deutschland zahlen Arbeitnehmer durchschnittlich 40 bis 50 Prozent ihres Bruttoeinkommens an Steuern und Sozialabgaben. Wer die Grundlagen des Steuersystems versteht, kann legal mehrere tausend Euro pro Jahr sparen und fundierte Entscheidungen über Karriere, Selbstständigkeit und Vermögensaufbau treffen. Das Steuersystem erscheint auf den ersten Blick komplex, folgt aber klaren Grundprinzipien, die jeder verstehen kann. Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Steuern werden auf Ihr Einkommen erhoben, nicht auf Ihren Umsatz oder Kontostand. Alles, was Ihr zu versteuerndes Einkommen senkt — Werbungskosten, Sonderausgaben, Freibeträge — spart Ihnen direkt Steuern. Je höher Ihr Grenzsteuersatz, desto mehr spart Ihnen jeder abgesetzte Euro. ## Direkte und indirekte Steuern Das deutsche Steuersystem unterscheidet zwischen direkten Steuern (die Sie als Person oder Unternehmen direkt ans Finanzamt zahlen) und indirekten Steuern (die in Preisen enthalten sind und die Sie als Verbraucher indirekt tragen). Die Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer sind direkte Steuern. Die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer), Energiesteuer, Tabaksteuer und Grunderwerbsteuer sind indirekte Steuern. Für Ihre persönliche Steuerplanung sind primär die direkten Steuern relevant, weil Sie diese aktiv beeinflussen können — durch die Wahl Ihrer Einkunftsart, durch steuerlich relevante Ausgaben und durch die Nutzung gesetzlich vorgesehener Gestaltungsmöglichkeiten. Die indirekten Steuern können Sie dagegen kaum beeinflussen, da sie in jedem Konsumakt automatisch anfallen. ## Progression und Grenzsteuersatz Das deutsche Einkommensteuersystem ist progressiv: Je mehr Sie verdienen, desto höher ist der Steuersatz auf jeden zusätzlich verdienten Euro. Der Grundfreibetrag (derzeit rund 11.600 Euro) ist komplett steuerfrei. Darüber steigt der Steuersatz von 14 Prozent (Eingangssteuersatz) bis zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent (ab rund 66.800 Euro) und dem Reichensteuersatz von 45 Prozent (ab 277.826 Euro). Entscheidend ist: Der Spitzensteuersatz gilt nur für den Teil Ihres Einkommens, der über der jeweiligen Grenze liegt — nicht für Ihr gesamtes Einkommen. Jemand mit 80.000 Euro zu versteuerndem Einkommen zahlt nicht 42 Prozent auf alles, sondern einen Durchschnittssteuersatz von etwa 28 Prozent. Der Grenzsteuersatz (der Satz auf den letzten verdienten Euro) bestimmt aber, wie viel Ihnen eine Steuerersparnis tatsächlich bringt: Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent spart Ihnen jeder abgesetzte Euro 42 Cent Steuern. ## Die sieben Einkunftsarten Das Einkommensteuergesetz kennt sieben Einkunftsarten, die unterschiedlich besteuert werden: Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb, aus selbstständiger Arbeit, aus nichtselbstständiger Arbeit (Gehalt), aus Kapitalvermögen (Dividenden, Zinsen), aus Vermietung und Verpachtung, und sonstige Einkünfte (Renten, private Veräußerungsgeschäfte). Die Einkunftsart bestimmt, welche Abzüge möglich sind, ob Gewerbesteuer anfällt und wie die Einkünfte ermittelt werden. Für Ihre Steuerplanung ist relevant: Kapitalerträge werden pauschal mit 25 Prozent Abgeltungssteuer besteuert (plus Solidaritätszuschlag) — unabhängig von Ihrem persönlichen Steuersatz. Das kann vorteilhaft sein (wenn Ihr Grenzsteuersatz über 25 Prozent liegt) oder nachteilig (wenn er darunter liegt — dann können Sie eine Günstigerprüfung beantragen). ## Sozialabgaben verstehen Neben der Einkommensteuer zahlen Arbeitnehmer Sozialversicherungsbeiträge: Rentenversicherung (18,6 Prozent, hälftig Arbeitnehmer/Arbeitgeber), Krankenversicherung (14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag, hälftig), Pflegeversicherung (3,4 Prozent, hälftig), und Arbeitslosenversicherung (2,6 Prozent, hälftig). Ihr Arbeitnehmeranteil beträgt zusammen rund 20 Prozent des Bruttogehalts — allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze (für die Rentenversicherung derzeit rund 7.550 Euro monatlich in Westdeutschland). Für Selbstständige entfallen die meisten dieser Pflichtbeiträge, was zunächst nach einer Ersparnis klingt. In Wahrheit müssen Sie die Absicherung selbst organisieren und finanzieren — Krankenversicherung (als Selbstständiger oft 800 bis 900 Euro monatlich), Altersvorsorge und gegebenenfalls Berufsunfähigkeitsversicherung. Die vermeintliche Ersparnis entpuppt sich in der Praxis oft als Nullsummenspiel oder sogar als Nachteil, wenn Sie die Absicherungslücken nicht bewusst schließen.
Themen: Grundlagen, Steuern, Einkommensteuer, Steuererklärung