Altersvorsorge richtig planen: Der komplette Leitfaden
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Altersvorsorge verstehen und planen: Von der Rentenlücke über Riester und Rürup bis zum ETF-Sparplan. Der komplette Leitfaden für Ihre finanzielle Zukunft.
## Warum Altersvorsorge für Selbständige doppelt wichtig ist Die meisten Selbständigen sind von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit. Was auf den ersten Blick als Freiheit erscheint, ist in Wahrheit ein erhebliches Risiko: Ohne bewusste private Vorsorge steht Ihnen im Alter kein regelmäßiges Einkommen zu — keine gesetzliche Rente, keine Betriebsrente, nichts. Die durchschnittliche Rentenlücke, also die Differenz zwischen dem letzten Nettöinkommen und der tatsächlichen Rente, beträgt bei Arbeitnehmern bereits 30 bis 50 Prozent. Bei Selbständigen ohne jede Vorsorge beträgt sie 100 Prozent. Der Zinseszinseffekt macht frühes Beginnen zum mächtigsten Hebel bei der Altersvorsorge. Wer mit 25 Jahren monatlich 300 Euro bei einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent anlegt, hat mit 67 Jahren über 600.000 Euro angespart. Wer erst mit 40 beginnt, muss bei gleicher Rendite monatlich über 800 Euro zurücklegen, um dasselbe Ergebnis zu erreichen. Jedes Jahr, das Sie mit dem Start der Altersvorsorge warten, wird exponentiell teurer. ## Die drei Säulen der Altersvorsorge Das deutsche Vorsorgesystem basiert auf drei Säulen: der gesetzlichen Rente (erste Säule), der betrieblichen Altersvorsorge (zweite Säule) und der privaten Vorsorge (dritte Säule). Für Selbständige entfällt die zweite Säule typischerweise, und die erste Säule ist nur dann relevant, wenn Sie freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder aus früheren Anstellungsverhealtnissen Ansprüche erworben haben. Die freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rente kann sinnvoll sein, insbesondere wenn Ihnen nur wenige Jahre für den Mindestanspruch (fünf Beitragsjahre) fehlen oder wenn Sie von den Rehabilitationsleistungen und der Erwerbsminderungsrente profitieren möchten. Der Mindestbeitrag liegt bei rund 100 Euro monatlich, der Höchstbeitrag bei über 1.300 Euro. Die Rendite der gesetzlichen Rente ist allerdings bescheiden und hängt stark von der politischen Entwicklung ab — als alleinige Vorsorge reicht sie für Selbständige nicht aus. ## Private Vorsorgeoptionen im Vergleich Die Basisrente (auch Rürup-Rente) ist das steuerlich attraktivste Vorsorgeinstrument für Selbständige. Ihre Beiträge können Sie fast vollständig von der Steuer absetzen (2024: bis zu 27.566 Euro als Einzelperson). Die Kehrseite: Das angesparte Kapital ist nicht vererbbar, nicht beleihbar, nicht kündbar und wird ausschließlich als lebenslange Rente ausgezahlt — nie als Einmalbetrag. Für disziplinlose Sparer kann diese Rigidatät ein Vorteil sein, für flexible Unternehmer ein Nachteil. ETF-Sparpläne bieten die höchste Flexibilität bei historisch guter Rendite. Ein breit gestreuter Welt-ETF (etwa auf den MSCI World) hat in den vergangenen Jahrzehnten durchschnittlich sechs bis acht Prozent jährliche Rendite erzielt. Sie können jederzeit ein- und auszahlen, den Sparbetrag anpassen oder pausieren, und das Kapital steht Ihnen bei Bedarf zur Verfügung. Der steuerliche Vorteil ist geringer als bei der Basisrente (Kapitalerträge werden mit der Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent besteuert), aber die Flexibilität und historische Rendite gleichen das für viele Selbständige mehr als aus. Immobilien als Altersvorsorge bieten den Vorteil einer mietfreien Wohnung im Alter (bei Eigennutzung) oder eines passiven Einkommens durch Mieteinnahmen (bei Vermietung). Die Nachteile sind die hohe Kapitalbindung, mangelnde Diversifikation (Klumpenrisiko), Instandhaltungskosten und die Illiquidität — im Notfall können Sie nicht schnell einen Teil Ihrer Immobilie verkaufen. Als einzige Altersvorsorge ist eine Immobilie riskant; als Baustein in einem diversifizierten Portfolio kann sie sinnvoll sein. ## Wie viel Sie zurücklegen sollten Die Faustregel für Selbständige lautet: Mindestens 20 Prozent Ihres Nettöinkommens sollten in die Altersvorsorge fließen. Wer erst spät beginnt (über 40), sollte eher 25 bis 30 Prozent ansetzen. Berechnen Sie Ihren konkreten Bedarf rückwärts: Schätzen Sie Ihre gewünschten monatlichen Ausgaben im Alter, ziehen Sie eventüll vorhandene Rentenansprüche ab, und berechnen Sie dann, welches Kapital Sie benötigen, um die Lücke über 20 bis 30 Jahre zu schließen (bei einer konservativen Entnahmerate von drei bis vier Prozent jährlich). Ein Beispiel: Sie möchten im Alter 3.000 Euro monatlich netto zur Verfügung haben und erwarten keine gesetzliche Rente. Bei einer Entnahmerate von vier Prozent benötigen Sie ein Kapital von 900.000 Euro. Um dieses in 30 Jahren anzusparen, müssen Sie bei sechs Prozent Rendite monatlich rund 900 Euro investieren. Je früher Sie beginnen und je konsequenter Sie dabei bleiben, desto realistischer wird dieses Ziel. ## Die richtige Strategie finden Setzen Sie nicht alles auf eine Karte, sondern diversifizieren Sie Ihre Vorsorge über mehrere Bausteine. Eine sinnvolle Kombination für viele Selbständige besteht aus einem ETF-Sparplan als flexiblem Hauptbaustein, einer Basisrente für die steuerliche Optimierung in einkommensstarken Jahren, und ge
Themen: Altersvorsorge, Rente, Riester, Rürup, ETF